Liquiditätsgrade
Die Liquiditätsgrade setzen unterschiedlich schnell verfügbare Vermögensteile ins Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Sie beantworten, ob ein Unternehmen seine kurzfristigen Zahlungspflichten aus vorhandenen Mitteln bedienen könnte.
Formel
Liquidität 1. Grades = flüssige Mittel ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten
Die drei Grade
| Grad | Formel | Richtwert |
|---|---|---|
| 1. Grades (Barliquidität) | flüssige Mittel ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten | 10–30 % |
| 2. Grades (Einzugsliquidität) | (flüssige Mittel + Forderungen) ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten | ~100 % |
| 3. Grades (Umsatzliquidität) | Umlaufvermögen ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten | 120–200 % |
Die Richtwerte sind Faustregeln, keine Normen. Ein Handelsbetrieb mit hohem Lager erreicht den dritten Grad leicht, ohne deshalb liquide zu sein.
Beispiel
Flüssige Mittel 45.000 €, Forderungen 120.000 €, Vorräte 90.000 €, kurzfristige Verbindlichkeiten 180.000 €.
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- Grades: 45.000 ÷ 180.000 = 25 %
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- Grades: 165.000 ÷ 180.000 = 92 %
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- Grades: 255.000 ÷ 180.000 = 142 %
Wo steht das in deiner BWA?
Nicht in der kurzfristigen Erfolgsrechnung — die zeigt Erträge und Aufwände, keine Bestände. Die Grundlagen stehen in der Summen- und Saldenliste oder im Jahresabschluss. Kanzleien liefern eine Bilanzkennzahlen-Auswertung meist auf Anfrage.
Die häufigste Fehldeutung
„Liquidität 2. Grades bei 92 %, also fast in Ordnung.“ Diese Kennzahlen sind Stichtagswerte. Sie sagen nichts über Termine: 120.000 € Forderungen nützen nichts, wenn sie in 60 Tagen fällig sind und die Löhne in fünf Tagen. Für die Frage, ob das Geld reicht, braucht es eine Planung mit Fälligkeiten — keine Quote.
Verwandte Begriffe
Warum Bestände keine Termine sind, steht unter OPOS; die zahlungsorientierte Sicht erklärt der Cashflow. Praktisch angewendet: Liquiditätsplanung.
13 Wochen wochengenau statt einer Stichtagsquote.
Zur LiquiditätsplanungZuletzt geprüft:
Verwandte Begriffe
- Cashflow Der Cashflow ist der Saldo aus Ein- und Auszahlungen eines Zeitraums. Anders als das Ergebnis der Erfolgsrechnung zeigt er, wie viel Geld tatsächlich geflossen ist.
- OPOS OPOS steht für „offene Posten“ — Rechnungen, die gestellt, aber noch nicht bezahlt sind. Die OPOS-Liste zeigt den Bestand dieser Forderungen und Verbindlichkeiten zu einem Stichtag.
- Kapitalflussrechnung Die Kapitalflussrechnung stellt dar, wie sich der Zahlungsmittelbestand eines Unternehmens in einem Zeitraum verändert hat, aufgeteilt nach operativer Tätigkeit, Investitionen und Finanzierung. Sie beantwortet die Frage, woher das Geld kam und wohin es ging.