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Was ist eine BWA? Einfach erklärt, mit echtem Beispiel

Die betriebswirtschaftliche Auswertung in verständlichen Worten: was drinsteht, wer sie erstellt, was sie kann — und die vier Dinge, die sie ausdrücklich nicht sagt.

Jens Hagel8 Min. Lesezeit

Inhalt in Kürze

  • Die BWA ist eine monatliche Aufstellung aus der laufenden Buchführung: Umsatz, Kosten nach Gruppen, vorläufiges Ergebnis.
  • Sie ist keine Bilanz und kein Jahresabschluss — das Wort „vorläufig“ in der letzten Zeile ist wörtlich zu nehmen.
  • Die wichtigste Zeile im Alltag ist nicht das Ergebnis, sondern der Rohertrag: Er reagiert als Erste auf Einkaufspreise und Sortiment.
  • Eine Abweichung zwischen BWA und Kontostand ist der Normalfall, kein Fehler.

Die kurze Antwort

Die BWA ist der Zwischenstand. Einmal im Monat nimmt die Steuerkanzlei die gebuchten Belege des Vormonats und stellt sie in einer festen Reihenfolge zusammen: oben, was hereingekommen ist, darunter, was es gekostet hat, unten, was rechnerisch übrig bleibt. Das Ergebnis ist ein zwei- bis dreiseitiges PDF, das in den meisten Unternehmen überflogen und abgelegt wird.

Das ist schade, denn es ist das einzige Dokument, das monatlich einen vollständigen Blick auf die Wirtschaftlichkeit erlaubt. Der Grund für das Überfliegen liegt selten am Desinteresse: Die BWA ist für die Buchhaltung geschrieben, nicht für die Geschäftsführung.

Was genau drinsteht

Die verbreitetste Form heißt kurzfristige Erfolgsrechnung. Sie liest sich von oben nach unten:

ZeileBedeutung
UmsatzerlöseWas im Monat fakturiert wurde
BestandsveränderungAngefangene und fertige, aber noch nicht abgerechnete Arbeiten
GesamtleistungUmsatz plus Bestandsveränderung — die eigentliche Leistungsgröße
Material-/WareneinsatzWas für diese Leistung eingekauft wurde
RohertragGesamtleistung minus Materialeinsatz
PersonalkostenLöhne, Gehälter, Sozialabgaben
Raum-, Fahrzeug-, sonstige KostenDer Rest, nach Gruppen sortiert
AbschreibungenWertverlust von Anlagen — ohne Zahlung
Vorläufiges ErgebnisWas rechnerisch übrig bleibt

Neben jeder Zeile stehen üblicherweise zwei weitere Spalten: der aufgelaufene Wert des Jahres und ein Prozentwert, bezogen auf die Gesamtleistung.

Die Prozentspalte ist die nützlichste und am wenigsten beachtete Spalte der ganzen Auswertung. Absolute Beträge schwanken mit dem Auftragsvolumen; Quoten zeigen, ob sich die Struktur verändert hat.

Die Zeile, auf die es wirklich ankommt

Der Rohertrag ist der Betrag, der nach dem Einkauf der verkauften Leistung übrig bleibt. Er ist deshalb so wichtig, weil er als erste Zeile auf Veränderungen reagiert: steigende Einkaufspreise, ein verschobener Sortimentsmix, ein nachgelassener Rabatt — all das schlägt hier sofort durch, während das vorläufige Ergebnis dieselbe Entwicklung erst zwei Monate später sichtbar macht.

300.000 €Gesamtleistung im Beispielmonat
180.000 €Rohertrag — eine Quote von 60 %
21.000 €vorläufiges Ergebnis, also 7 % Umsatzrendite

Wer nur eine Kennzahl aus seiner BWA mitnehmen will, nimmt die Rohertragsquote — und vergleicht sie mit dem Vorjahresmonat, nicht mit dem Vormonat. Fast jeder Betrieb ist saisonal; der Vormonatsvergleich misst überwiegend den Kalender.

Mehr dazu steht im Glossareintrag zum Rohertrag und in der Übersicht BWA verstehen.

Was die BWA ausdrücklich nicht sagt

Vier Dinge stehen nicht drin, und alle vier sorgen regelmäßig für Missverständnisse.

  1. Sie sagt nicht, ob Geld da ist. Die BWA rechnet nach Entstehung, nicht nach Zahlung. Ein hervorragendes Ergebnis kann mit einem leeren Konto zusammenfallen, wenn alles in offenen Rechnungen steckt.
  2. Sie sagt nicht, wie hoch der Gewinn ist. Das vorläufige Ergebnis enthält meist weder Abgrenzungen noch Rückstellungen, oft nicht einmal Abschreibungen.
  3. Sie sagt nicht, welcher Auftrag sich gelohnt hat. Die Auswertung kennt Kostenarten, keine Projekte. Für die Auftragsnachkalkulation braucht es andere Zahlen.
  4. Sie sagt nicht, was die Zukunft bringt. Sie ist rückwärtsgewandt. Für die Frage, ob das Geld im November reicht, braucht es eine Liquiditätsplanung.

Warum BWA und Kontostand auseinanderlaufen

Diese Frage kommt in Erstgesprächen häufiger als jede andere. Die Antwort besteht aus fünf Bausteinen:

  • Zeitliche Zuordnung — die Rechnung aus Mai, bezahlt im Juli, steht im Mai in der Auswertung.
  • Umsatzsteuer — die BWA rechnet netto, das Konto brutto.
  • Abschreibungen — mindern das Ergebnis, ohne dass Geld fließt.
  • Tilgung — mindert das Konto, ohne Aufwand zu sein; nur die Zinsen sind einer.
  • Privatentnahmen — mindern das Konto, nicht das Ergebnis.

Die BWA sagt, was im Zeitraum entstanden ist. Das Konto sagt, was geflossen ist. Beide haben recht — die Abweichung wird erst zum Problem, wenn niemand sie erklären kann.

Wer sie erstellt und wann sie kommt

In der Regel die Steuerkanzlei, zwei bis sechs Wochen nach Monatsende. Der wichtigste Hebel für die Geschwindigkeit liegt nicht bei der Kanzlei, sondern bei den Belegen: Wer bis zum fünften Werktag liefert, bekommt die Auswertung meist noch im selben Monat.

Wir haben Jahre gebraucht, um zu merken, dass unsere BWA nicht deshalb spät kam, weil die Kanzlei langsam war, sondern weil wir die Belege spät geliefert haben. Das ist unangenehm und leicht zu ändern.
Jens Hagel, Geschäftsführer der hagel IT-Services GmbH

Was ihr zusätzlich anfordern könnt

Die meisten Kanzleien liefern ohne Aufpreis mehr, als sie standardmäßig schicken — es fragt nur selten jemand:

  • Den Vorjahresvergleich, falls er nicht ohnehin dabei ist
  • Die Summen- und Saldenliste — sie beantwortet fast jede Rückfrage
  • Eine Aufteilung der sonstigen betrieblichen Aufwendungen, wenn dieser Posten wächst
  • Die Auskunft, ob Abgrenzungen unterjährig gebucht werden

Die letzte Frage ist die wichtigste: Sie entscheidet, wie ernst man das vorläufige Ergebnis nehmen darf.

Und dann?

Eine BWA zu verstehen ist kein Selbstzweck. Der Nutzen entsteht erst, wenn aus der Auswertung eine Entscheidung wird — und dafür braucht es zwei Dinge: den Vergleich über die Zeit und die Verbindung zum Konto. Wie das praktisch aussieht, steht auf der Seite BWA verstehen; die Einzelbegriffe erklärt das Kennzahlen-Glossar.

Von hier führen vier Wege weiter, je nachdem, wo man steht. Wer die Zeilen einzeln durchgehen will, findet das unter BWA lesen und verstehen. Wer wissen will, wie die Auswertung überhaupt zustande kommt, liest BWA erstellen. Wer ein vollständig durchgerechnetes Beispiel braucht, findet es unter BWA-Beispiel. Und wer sich über die Differenz zwischen Ergebnis und Kontostand wundert, sollte Warum deine BWA nicht zum Kontostand passt lesen — das ist die Frage, die am häufigsten gestellt wird.

Die einzelnen Kennzahlen im Überblick stehen unter BWA-Kennzahlen, und wer eine leere Struktur zum Ausfüllen sucht, findet sie unter BWA-Vorlage.

Die fünf Formen, in denen euch die BWA begegnet

Nicht jede Auswertung, die „BWA“ heißt, zeigt dasselbe. Fünf Varianten sind verbreitet, und der Unterschied entscheidet, welche Frage sie beantworten kann.

Kurzfristige Erfolgsrechnung. Der Standard: Erträge und Aufwände des Monats, daneben der aufgelaufene Wert des Jahres. Sie beantwortet „wie lief der Monat“.

Jahresübersicht. Alle Monate nebeneinander in einer Tabelle. Sie beantwortet „wo sind unsere Ausreißer“ und macht Saison sichtbar — die nützlichste Auswertung für alle, die planen wollen.

Vorjahresvergleich. Monat und Auflauf gegen dieselben Zeiträume des Vorjahres. Die einzige faire Vergleichsbasis, weil sie die Saison herausrechnet.

Bewegungsbilanz. Zeigt, wie sich Vermögen und Kapital verändert haben — also wo das Geld hingegangen ist. Selten angefordert, für Bankgespräche aber oft die überzeugendste Unterlage.

Summen- und Saldenliste. Streng genommen keine BWA, sondern die Rohdaten: alle Konten mit ihren Salden. Sie beantwortet jede Rückfrage, die die anderen vier offenlassen.

Fordert einmal alle fünf an. Danach wisst ihr, welche zwei ihr dauerhaft braucht — und die Kanzlei stellt sie ohne weiteres Nachfragen ein.

Wie eine BWA entsteht

Der Ablauf ist immer derselbe und erklärt, warum die Auswertung so spät kommt:

  1. Belege sammeln. Eingangsrechnungen, Ausgangsrechnungen, Kontoauszüge, Kassenbelege des Monats.
  2. Kontieren. Jeder Beleg bekommt ein Konto. Hier entscheidet sich die Qualität der ganzen Auswertung — eine falsch zugeordnete Rechnung verschiebt eine Kennzahl, ohne dass die Summe auffällt.
  3. Buchen. Die kontierten Belege gehen in die Buchhaltungssoftware.
  4. Abstimmen. Bankkonten, Kassen und offene Posten werden gegen die Buchung geprüft.
  5. Auswerten. Die Software erzeugt die BWA per Knopfdruck. Dieser letzte Schritt dauert Sekunden — die vier davor Wochen.

Daraus folgt der wichtigste Hebel: Wer die Auswertung früher haben will, muss bei Schritt 1 ansetzen, nicht bei Schritt 5.

Was die BWA über den Betrieb verrät

Drei Muster lassen sich aus jeder BWA ablesen, ohne dass man den Betrieb kennt:

Wie kapitalintensiv gearbeitet wird. Hohe Abschreibungen und Leasingkosten deuten auf Maschinen und Fahrzeuge; ein hoher Personalanteil auf Dienstleistung.

Wie stabil die Kostenstruktur ist. Ein hoher Fixkostenanteil bedeutet: Umsatzrückgänge schlagen sofort durch. Ein hoher variabler Anteil federt ab, deckelt aber die Gewinne im guten Jahr.

Wie sauber gearbeitet wird. Ein großer, ungegliederter Posten „sonstige betriebliche Aufwendungen“ ist selten ein Zeichen von Sparsamkeit — meistens von fehlender Zuordnung.

5Auswertungsformen, von denen die meisten nur eine kennen
109Monate echter BWA-Daten im Pilotbetrieb von Yupana eingelesen
0,2 sfür eine Auswertung mit 245 Positionen

Die häufigsten Missverständnisse

GedachtTatsächlich
„Vorläufiges Ergebnis = Gewinn“Abgrenzungen, Rückstellungen und oft Abschreibungen fehlen
„Umsatz gestiegen = besser gelaufen“Ohne Rohertrag ist das keine Aussage
„Kosten zu hoch“Ohne Bezug zur Gesamtleistung ein Gefühl, keine Zahl
„Konto voll, also läuft es“Vorauszahlungen und nicht abgeführte Steuern füllen Konten zuverlässig
„Die BWA ist geprüft“Sie basiert auf der laufenden Buchführung, nicht auf einer Prüfung

Der letzte Punkt wird selten genannt und ist wichtig: Die BWA ist eine Zwischenrechnung ohne Prüfungshandlung. Sie ist so gut wie die Belege, die ihr zugrunde liegen.

Lade deine letzte BWA hoch und sieh in Sekunden, was drinsteht — ohne Konto, die Datei verlässt den Browser nicht.

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Häufige Fragen

Was bedeutet die Abkürzung BWA?
BWA steht für betriebswirtschaftliche Auswertung. Es ist eine monatliche Aufstellung auf Basis der laufenden Buchführung, die Umsatz, Kosten nach Gruppen und ein vorläufiges Ergebnis zeigt.
Wer erstellt die BWA?
In der Regel die Steuerkanzlei im Rahmen der laufenden Buchführung. Wer selbst bucht, kann sie auch aus der eigenen Buchhaltungssoftware erzeugen — das Format ist nicht gesetzlich vorgeschrieben.
Ist die BWA verpflichtend?
Nein. Es gibt keine gesetzliche Pflicht zur BWA. Banken verlangen sie allerdings regelmäßig bei Kreditgesprächen, und ohne sie fehlt unterjährig jede Steuerungsgrundlage.
Was kostet eine BWA?
Sie ist in der Regel Teil des Honorars für die laufende Buchführung und wird nicht gesondert berechnet. Zusatzauswertungen wie Vorjahresvergleich oder Summen- und Saldenliste sind meist ebenfalls enthalten — sie werden nur selten angefragt.
Warum stimmt meine BWA nicht mit dem Kontostand überein?
Weil beide unterschiedlich rechnen. Die BWA ordnet Erträge und Aufwände dem Zeitraum zu, in dem sie entstanden sind; das Konto zeigt, wann Geld geflossen ist. Dazu kommen Umsatzsteuer, Abschreibungen, Tilgung und Privatentnahmen.

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